Familienaufstellung im Einzelsetting
Wenn Verstehen allein nicht weiterhilft
Eigene Beziehungsmuster zu erkennen, bedeutet noch nicht, sie verändern zu können. Vielleicht ist dir klar, warum du in bestimmten Situationen so reagierst - und trotzdem regierst du im Streitgespräch oder wenn du Grenzen setzen willst, immer wieder gleich.
Gleich verletzt, gleich wütend oder gleich defensiv.
Eine Familienaufstellung im Einzelsetting kann helfen, solche Situationen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. In meiner Praxis in Mönchengladbach verbinde ich diese Arbeit mit dem therapeutischen Gespräch – häufig in kleinen Sequenzen, die sich daraus ergeben.
Wie funktioniert das ohne Gruppe?
Beim Familienstellen denken viele an eine Gruppe, in der andere Personen stellvertretend für Familienmitglieder stehen. Im Einzelsetting lassen sich Beziehungen beispielsweise mit Figuren, Stühlen oder Markierungen auf dem Boden darstellen. Deine Familie muss dafür nicht anwesend sein.
Ausgehend von deinem Anliegen entsteht ein räumliches Bild: deiner Herkunftsfamilie, deiner Partnerschaft oder einer bestimmten Beziehungssituation. Wo stehst du? Wie nah oder entfernt sind die anderen? Wem gilt deine Aufmerksamkeit?
Wir betrachten gemeinsam, was dir dabei auffällt. Du kannst Positionen verändern oder einen anderen Blickwinkel ausprobieren und wahrnehmen, welche Gedanken, Gefühle oder körperlichen Empfindungen auftauchen.
Das Bild zeigt, wie du die Situation erlebst. Aus solchen Beobachtungen können konkrete Fragen entstehen: Was hält dich davon ab, eine Grenze zu setzen? Was möchtest du aussprechen? Und was brauchst du, um anders handeln zu können?
Die Situation vom Platz des anderen aus betrachten
Du kannst in einer Einzelaufstellung auch auf den Platz wechseln, der für deinen Partner oder eine andere Bezugsperson steht. Von dort aus schaust du auf deinen eigenen Platz: Wie wirkt die Situation jetzt auf dich? Welche Gefühle und Gedanken tauchen auf? Was fällt dir auf, das du von deiner Position aus nicht gesehen hast?
Dieser Perspektivwechsel kann dir helfen, dich in dein Gegenüber einzufühlen und eure Beziehung mit anderen Augen zu betrachten. Was du dabei wahrnimmst, kann Anregungen geben, einander im Gespräch besser zu verstehen.
Oft reicht eine kleine Sequenz
In meiner Arbeit ist die Aufstellung immer in die Sitzung eingebunden. Wir beginnen mit dem, was dich beschäftigt. Wenn eine räumliche Darstellung hilfreich erscheint und du das möchtest, nehmen wir sie hinzu. Manchmal genügen dafür wenige Positionen und ein kurzer Ausschnitt.
Eine Aufstellung kann helfen, ein wiederkehrendes Verhaltensmuster genauer wahrzunehmen, widersprüchliche Gefühle zu verstehen oder eigene Bedürfnisse deutlicher zu benennen.
Du kannst mit einer konkreten Frage kommen oder mit dem Gefühl, dass sich etwas wiederholt, das du noch nicht richtig fassen kannst. Gespräch und Aufstellungsarbeit greifen dabei ineinander: Was du erzählst, kann eine Form bekommen.
Anschließend greifen wir das Erlebte im Gespräch auf: Was war überraschend? Was passt zu deinen Erfahrungen? Was bedeutet das für dich?
Virginia Satir und Bert Hellinger: unterschiedliche Ansätze
Die Arbeit mit räumlichen Beziehungsbildern hat mehrere Wurzeln. Eine wichtige Vorläuferin war die Familientherapeutin Virginia Satir. In ihren Familienskulpturen wurden Beziehungen durch Positionen, Körperhaltungen und Blickrichtungen dargestellt. Ihr Ansatz betonte Selbstwert, stimmige Kommunikation und die Möglichkeit, eigene Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken.
Bert Hellinger machte das Familienstellen später einem breiten Publikum bekannt und gab wichtige Impulse für seine Weiterentwicklung. Diese würdigte auch die Systemische Gesellschaft in ihrer kritischen Potsdamer Erklärung von 2004.
Seine Arbeitsweise geriet jedoch auch in Verruf: Fachverbände kritisierten autoritäre Deutungen, starre Vorstellungen familiärer Ordnung und teilweise entwürdigende Interventionen. Auch überzogene Erwartungen an eine einzige Aufstellung wurden zurückgewiesen.
Satirs Familienskulptur und Hellingers Familienstellen sind deshalb trotz äußerlicher Ähnlichkeiten nicht gleichzusetzen.
Für meine Arbeit gilt: Deine Wahrnehmung zählt. Du musst keiner Deutung zustimmen, keinen vorgegebenen Satz sprechen und dich mit niemandem versöhnen. Wir prüfen gemeinsam, was für dich nachvollziehbar und hilfreich ist.
Wenn du diese Arbeitsweise kennenlernen möchtest, kannst du einen Termin für eine Einzelsitzung in meiner Praxis in Mönchengladbach vereinbaren.